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Digitaler Unterricht – Wie werden digitale Lernräume gestaltet?

Für wen ist dieser Artikel?

Du bist Lehrkraft, Lernbegleiter*in, Dozent*in, Trainer*in, Coach oder du leitest eine Schule oder Bildungsinstitution? Du hast wie wir die Chancen und Herausforderungen von digitalen und hybriden Lernsettings im Unterricht erlebt und möchtest deinen Unterricht oder deine Workshops digital und
abwechslungsreich gestalten? Du suchst nach neuen Ideen und Impulsen, wie digitaler Unterricht oder Fernunterricht interaktiv, mit Freude und Erfolg gelingen kann? Du hast Zweifel daran, ob die digitale
Unterrichtsgestaltung online wirklich das Gleiche leisten kann wie in Präsenz?

Konntest du eine dieser Fragen mit "Ja" beantworten?

Dann ist dieser Artikel etwas für dich. Wir zeigen dir in diesem Blogartikel verschiedene Ansätze, wie du in deinem Klassenzimmer, deiner Schule, oder anderen Lernräumen, digitalen Unterricht zu einem Ort des gemeinsamen Lernens machen kannst. Dabei fokussieren wir uns auf die Impulse, Methoden und Tipps, die in unseren online, hybriden, oder auch Präsenz Unterrichtsstunden viel eingesetzt werden. Diese Dinge haben uns dabei geholfen digitale Lernumgebungen „normal“ werden zu lassen und den dabei entstehenden Herausforderungen zu begegnen. Wir hoffen, du findest einige Ansätze, die du für dich nutzen und weiterentwickeln kannst. Viel Spaß!

Zeitgemäßes Lernen in einer digitalen Welt

Die Digitalisierung hat einen Großteil unseres Lebens verändert und wird dies in zunehmenden Maße auch weiterhin tun. In diesem Artikel stellen wir uns den Fragen: Wie sieht Schule in diesem Kontext, der sich ständig wandelnden Welt aus? Und wie können wir Lernen gestaltet, sodass (vor allem) die jungen Menschen mit den nötigen Kompetenzen für die Zukunft versorgt sind? Die nötigen Kompetenzen dafür liefert das bekannte 4K-Modell:

Die vier Zukunftskompetenzen für Lernende im 21. Jahrhundert im 4K Modell:

  • Kommunikation
  • Kollaboration
  • Kreativität
  • Kritisches Denken
Dahingehend stellen sich nun die tiefer gehenden Fragen, wie wir als Lehrende zukünftig methodisch und didaktisch (digitale) Lernumgebungen gestalten. Lernumgebungen, die bei Lernenden die Fähigkeit reifen lassen, komplexe Probleme selbstorganisiert und kreativ zu lösen.

Die Beantwortung dieser Fragen zur Gestaltung einer Pädagogik in solchen, komplexen Zeiten, beschäftigt Didaktiker*innen schon lange. Die vorherrschende Antwort ist – verkürzt erklärt – die Veränderung der Rolle von Lehrenden als Wissensvermittler*innen zu Lernbegleiter*innen. Rolf Arnold, Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik an der TU Kaiserslautern, fasst in diesem kurzen Paper „Ermöglichungsdidaktik – die notwendige Rahmung einer nachhaltigen Kompetenzreifung“ die dahinterliegenden Diskussionen zusammen. Das Fazit: All die oben formulierten Fragen lassen sich nicht durch zentral gesteuerten Unterricht aufgreifen, sondern erfordern eine prozessorientierte und individuelle Begleitung der Lernenden. 

Wie sind all die Herausforderungen zeitgemäßen & digitalen Unterrichts, neben dem anstrengenden Schulalltag zu schaffen?

Aus der Begleitung vieler Lehrkräfte in eine solche Rolle wissen wir, dass der Weg länger dauert, als man zuerst denkt und dass es Rückschläge und Herausforderungen gibt. Auch Schüler*innen sind ein solches Lernen häufig noch nicht gewohnt und kommen mit den neuen Erfahrungen des selbstorganisierten Lernens nicht immer direkt zurecht. Es ist auch eine falsche Annahme, dass die Rolle der Lernbegleitung weniger Arbeit oder Kraft erfordert, denn es kostet viel Aufmerksamkeit, Kompetenz und auch Vorbereitung, gute Lernräume zu gestalten. Eine Sache beobachten wir jedoch bei fast allen Kolleg*innen: Das Loslassen der Verantwortung für individuelle Lernwege der eigenen Schüler*innen und die Übertragung von Verantwortung führen zu neuer Kraft und weniger negativem Stress. Das Verlassen der bekannten Muster lohnt sich wie so oft, denn du gestaltest deine persönliche Lernumgebung nicht nur für deine Schüler*innen. Auch du lernst dazu und entwickelst deine eigenen Ziele weiter.

Am wichtigsten in diesem tiefgreifenden Veränderungsprozess und der Begegnung der Herausforderungen bleibt die Erkenntnis: Es ist nicht allein zu schaffen! Die System- und Transformationswissenschaften zeigen, dass starke Netzwerke für eine stabile Umgestaltungen von Systemen essenziell sind. In deiner Umgebung gibt es vielleicht viel mehr engagierte und transformationswillige Kolleg*innen, als du erwartest. Und wenn du sie nicht findest, suche dir Initiativen und Gruppen, in denen du dich über die Probleme deines Pädagogischen Alltags austauschen kannst. Zum Beispiel hat die Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben in Berlin, genau dafür die Online Plattform SuRe erstellt. Oder wirfürSchule organisiert Hackathons gemeinsam mit Schulen und Bildungsenthusiast*innen. Schau auch gerne in unserem monatlichen Austauschformat, dem digitalen Lehrerzimmer vorbei.

Tausche dich mit deinen Kolleg*innen und Leiter*innen, ja auch Schüler*innen, über deine gemachten Erfahrungen, weitere Möglichkeiten und Notwendigkeiten für Veränderungen in Schulen aus.

Digitaler Unterricht

Was hat das mit digitalem Unterricht zu tun?

In unserer digitalen Welt hat sich die Bedeutung von Fachwissen enorm verändert – Es bleibt zwar weiterhin als Grundlage für das Verständnis komplexer Zusammenhänge wichtig, aber es hat seine alleinige Priorität als Kernelement von Bildung verloren. Der Zugang zu Informationen ist für jeden einfach möglich und mit wenig Aufwand und Zeit kann man durch einfache Recherche auf nahezu jede Form von Informationen zugreifen. Die Herausforderung unserer Zeit ist nicht, Wissen anzuhäufen, sondern relevantes Wissen aus einer nicht endenden und sich ständig aktualisierenden Masse an Informationen herauszufiltern, zu (re-)kontextualisieren und für diverse Anwendungsbereiche nutzbar zu machen. Lernbegleiter*innen knüpfen an dieser Stelle der digitalisierten Welt an und bauen in ihren Lernumgebungen Möglichkeiten der Wissensverwaltung, mithilfe digitaler Tools und Methoden ein. Ihre Rolle ist es die Lernenden in der Nutzung dieser Tools zu begleiten, Lernmomente hervorzuheben und gemeinsam zu reflektieren.

Es ist jedoch wichtig zu sehen, dass dies nicht bedeutet, dass analoge und auf sozialen Kontakten in Präsenz beruhende Lern- und Wissensvermittlungsformen deshalb ausgedient haben. Vielmehr braucht es eine Verknüpfung von digitalen und analogen, von asynchronen und synchronen, von begleiteten und vermittelten Lernsituationen. Das Ziel davon sind Lernprozesse, in denen sich Schüler*innen selbstständig, kontext- und situationsbedingt Ziele, Inhalte, Strategien, Methoden und Kontrollmechanismen ihres Lernens festlegen.

Lernräume digital und interaktiv gestalten

Digitale Präsenz-Lernräume

Zunächst ist es wesentlich, zwischen analogen und online Lernräumen zu unterscheiden. Analoge Lernräume, wie das Schulgebäude, Klassenzimmer, oder Seminarräume bleiben immer der wichtigste Lernort. Hier können sich die Menschen begegnen, sie bauen Beziehungen zueinander auf, Gruppendynamiken entstehen und gemeinsame Ideen reifen heran. All das ist besonders essenziell für die zwei Kompetenzen Kommunikation und Kollaboration. Aber wie werden diese Präsenz-Lernräume digital gestaltet?
Der wichtigste Punkt ist der einfache Zugang zu Endgeräten die funktionieren. Das klingt nach einem schnell abgehakten Punkt, doch benötigt bei dem Start eines Digitalisierungs-Prozesses sehr viel Arbeit. Diese Arbeit sollte allerdings nicht das Lehrpersonal tragen müssen. Das bedeutet, um gut mit dem digitalen Unterricht durchstarten zu können, ist es nötig Gelder zu beantragen: Für Geräte und Personal, die diese Geräte einrichten. Allein der Bund stellt dafür mit dem Programm des DigitalPakt Schule 162.500€ im Schnitt pro Schule zur Verfügung.

Setze dich in deiner Schule dafür ein, dass mehr Kapazitäten für digitale Geräte und Personal, für deren Einrichtung angeschafft werden.

Wenn diese Grundlage geschaffen wurde, kann die digitale, pädagogische Arbeit beginnen. Wie die gestaltet sein sollte, haben wir bereits in dem oberen Abschnitt „Zeitgemäßes Lernen in einer digitalen Welt“ erklärt. Doch bei dem Einbauen von selbstlern-Phasen mit digitalen Endgeräten ist es nach den Erfahrungen vieler Lehrkräfte besonders zu Beginn wichtig, auf den Einhalt abgesprochener Regel im Umgang mit den Geräten zu achten. Je selbstständiger die Lernenden werden, desto mehr kann mit eigenständig formulierten Lernzielen und eigenem Tracking der Lernfortschritte gearbeitet werden.

Für ein interaktives Setting in einem Präsenz-Lernraum, in dem digitale Geräte und Methoden genutzt werden, ist die Raumaufteilung ebenso zu beachten. Wenn die Lernenden beispielsweise in Gruppen ein eigenes Video erstellen sollen, ist dies nicht in einem traditionellen Klassenraum möglich. Es wird schnell zu laut und unübersichtlich. Schulgebäude müssten dafür anders, mit verschiedenen Räumen und Lerninseln konzipiert sein. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dazu einen kurzweiligen und zusammenfassenden Artikel geschrieben: „Der Raum als ‚dritter Pädagoge‘: Über neue Konzepte im Schulbau„. In den derzeit bestehenden Räumen ist das nicht so einfach und direkt umzusetzen. An dieser Stelle ist ein flexibles Nutzen, der zur Verfügung stehenden Räumen, wie Klassenzimmern, Fluren und von Außengeländen nötig. Weiter entferntere Orte, wie die Wohnungen der Lernenden, können durch das Einrichten von Online Lernräumen hinzugenommen werden.

Online Lernräume

Online Lernräume sind in unterschiedlichen Situationen und Kontexten interessant und relevant:

  • Im Fern- oder auch Distanzunterricht, wie wir ihn durch die Corona-Pandemie kennengelernt haben.
  • Im Rahmen von hybriden Lernangeboten, in denen Online-Lerneinheiten ergänzend zu Präsenz- und Selbstlernangeboten stattfinden können. 
  • Als Ort für Austausch, Reflexion und Fragen ergänzend zu asynchronen Lernphasen, zum Beispiel während eines Praktikums oder im Rahmen von Lerngruppen auch in Schule.

Vor allem in Online Lernräumen ist es wichtig eine gute Struktur zu geben. Der Merksatz „WIRT“ Warm-up, Interaktion, Reflexion, Transfer – gibt dabei eine gute Vorgabe und legt den Fokus auf die Verarbeitung und Reflexion des Gelernten.  Mit einem Warm-Up ist hier nicht nur ein energetischer Start gemeint, sondern das Ankommen und Zurechtfinden im Lernraum. Eventuell fällt darunter auch das Kennenlernen anderer Teilnehmer*innen, wenn gruppendynamisch nötig. Darauf folgt die Interaktion, meist durch kommunikative Methoden, gemeinsames Lernen und Erlebnismomente, welche die Schüler*innen aus der Komfortzone in die Lernzone versetzen. Anschließend folgt die Reflexion, wodurch Erlebtes rekapituliert und besprochen werden kann. Erst in der Reflexion liegt häufig die Verankerung von Gelerntem oder die Veränderung von Information zu Wissen. Ein abschließender Transfer hilft, zu (re-)kontextualisieren und Gelerntes für die Zukunft nutzbar zu machen.

Konkrete Formen und Methoden der Interaktion für digitale Lernräume haben wir in dem Methodenbuch für digitalen Unterricht gesammelt.

Digitale Tools

Software, Apps, Programme ‒ um das Lernen und das inhaltliche Arbeiten zu unterstützen, gibt es zahlreiche digitale Hilfsmittel auf dem Markt. Als Überbegriff hat sich hierfür der Begriff „digitale Tools“, also „digitale Werkzeuge“, etabliert. Diese sind nicht nur praktisch, sondern tatsächlich eine unverzichtbare Grundlage für erfolgreiches digitales Lernen.

Ein großes Thema ist bei den Tools und Programmen der Datenschutz. Nicht alle können problemlos verwendet werden, da sie den Richtlinien des Bundeslandes nicht entsprechen. Das schränkt oft stark die Möglichkeiten ein, frustriert und hindert Lehrkräfte bei dem Start in ihrem digitalen Unterricht. Unserer Erfahrung nach ist dies aber nie ein unüberwindbares Problem. Informiert euch auf den Seiten eures jeweiligen Bundeslandes, welche Tools für eure Zwecke zugelassen sind und holt euch Inspirationen aus unserer Tool-Liste.

Es gibt nicht das eine, ultimative Tool, mit dem sich digitaler Unterricht vollumfänglich umsetzen lässt. Es gibt immer verschiedene Alternativen. Dennoch haben Tools unterschiedliche Funktionsweisen, die sich für bestimmte Methoden mehr oder weniger eignen. Wir wollen deshalb hier eine kurze Kategorisierung von digitalen Tools vornehmen, die für die Gestaltung von digitalem (Online-) Unterricht von Bedeutung sind.

Ausbildung im Umgang mit digitalen Tools

Um digitales Lernen gut umzusetzen, braucht es zunächst einen intuitiven Umgang mit digitalen Möglichkeiten. Es gibt bereits sehr viele Angebote, um sich in der Nutzung mit den oben genannten Tools weiterbilden zu lassen. Viele dieser Angebote sind sogar kostenlos, wie Apple-Teacher, oder einfache Videotutorials auf YouTube. Doch Kurzschulungen und Videoreihen reichen nicht, für die vielen Anforderungen an die Lehrkräfte digitale Tools in den Unterricht, oder Lernumgebungen didaktisch sinnvoll zu integrieren. Es braucht eine ganzheitliche, aktive Auseinandersetzung mit den innovativen Lernmöglichkeiten oder Erleichterungen, die digitale Lernmittel bieten. Dafür muss unserer Erfahrung nach, zunächst oft die Angst abgelegt werden, sich mit dem Neuen und Unbekannten auseinanderzusetzen. Dabei hilft es die Tools auf eigene Faust zu erkunden und zuhause auszuprobieren. Erkenntnisse und gewonnene Begeisterung für Tools, sollten mit Kolleg*innen geteilt werden, dass sie Tipps für ihren eigenen Start in das digitale Lernen bekommen. Mehrfach werden in Kollegien derzeit auch Austauschformate organisiert, bei denen die Lehrkräfte sich untereinander die beliebtesten Tools und digitale Möglichkeiten vorstellen können. So können die Lehrkräfte sich einander unterstützen und werden zu Ansprechpartner*innen für ihre Lieblingstools.

Suche dir ein Tool und nimm dir die Zeit dich damit zunächst selbst, intensiv auseinanderzusetzen und die Funktionsweisen richtig kennenzulernen.

Ausblick

So, das war ein kleiner Rundumschlag aus Themen und Gedanken, du uns bei der Begleitung von Digitalisierungsprozessen in Schulen begegnen. Du kanntest bestimmt schon einiges, aber vielleicht war ja auch das ein oder andere neu für dich. Als Ausblick auf deine weitere Reise durch das digitale Lernen, wird dir hier nun noch einmal Raum gegeben, um kurz inne zu halten und über deine Gedanken zu den Impulsen zu reflektieren. Gerne kannst du deine Erfahrungen für dich notieren und in einem Notizbuch oder ähnlichem festhalten. 

  • Wie fühle ich mich jetzt? Was hat sich beim Lesen des Artikels verändert?
  • Was will ich ab morgen ausprobieren oder anders machen mit meinen Schüler*innen?
  • Wie, oder von wem hole ich mir Feedback zu meinen Gedanken und Ideen?
  • Welche Kolleg*innen hole ich mit ins Boot und welches digitale Projekt könnten wir als nächstes gemeinsam und fächerübergreifend starten?
  • Was könnte sich an meiner Schule verändern?
  • Und zum Schluss: Warum liebe ich meinen Beruf?

Wir freuen uns schon mit euch gemeinsam die Veränderungen in Schulen mitzuerleben und zu gestalten. Teile dafür gerne deine Antworten auf die oberen Fragen, oder wie du die Impulse für dich einsetzen konntest mit uns auf Twitter, Instagram, oder LinkedIn. Denn wie wir bereits oben gelernt haben – Austausch ist bei jeder Transformation essentiell.

Über das Autorenteam

Hinter beWirken steht ein engagiertes junges Team, das mit vielen Ideen und Motivation das gemeinsame Ziel guter Bildung und Schule verfolgt. Wir begleiten Menschen und Schulen beim Ausprobieren und Gestalten neuer Ideen zur Veränderung von Schule und Bildung. Dafür entwickeln wir Angebote, die helfen, selbstwirksam und demokratisch einen gemeinsamen Weg in eine neue Form von Schule zu gehen.

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Das Methodenbuch für digitalen Unterricht
von beWirken

Cover vom Methodenbuch