Welche Stellschrauben müssen wir drehen, um wirklich etwas im System zu verändern? Welches sind die wichtigsten Hebel?
Diese Fragen waren der Ausgangspunkt für unser erstes Impact Dinner, zu dem wir Ende September nach Berlin geladen hatten. 40 Wegbegleiterinnen und Partner kamen, allesamt wichtige Stakeholder*innen im Bildungssystem – nicht nur zum Feiern und Fragen-Wälzen, sondern auch um gemeinsam nach vorn zu schauen. Es herrschte Aufbruchstimmung.
Wo es hingehen könnte, zeigt der aktuelle Hauptpreisträger des Deutschen Schulpreises: die Maria-Leo-Grundschule in Berlin-Pankow, die nach dem Lernhauskonzept gebaut ist und in der offene Lernsettings, flexible Lernzeiten, selbstorganisiertes Lernen, Lerncoaching, Projektarbeit und Mitbestimmung zentrale Elemente sind. Herzlichen Glückwunsch! Im Bildungsbaustelle-Podcast könnt ihr ein so herzerwärmendes wie mutmachendes Gespräch mit der Schulleiterin Sandra Scheffel hören.
Drei Schulen wurden außerdem dafür ausgezeichnet, dass sie Demokratie nicht unterrichten, sondern leben. Doch während die Gewinner des Themenpreises Demokratiebildung beim Deutschen Schulpreis zeigen, dass Partizipation im Schulalltag funktioniert, wollen wir mehr: Wir wollen, dass solche Beispiele bis 2035 zur Normalität werden. Wir fragen: Was muss geschehen, damit solcherart Schulpraxis in zehn Jahren normal wäre?
Das ist unsere Mission 2035: Bis 2035 sollen mindestens 40 Prozent der Schulen Offenes und selbstgesteuertes Lernen praktizieren und sich nicht nur diese Schulen transformiert, sondern auch Rahmenbedingungen und Regelsystem verändert haben.
Dieser Newsletter zeigt dir, wie der Weg dahin aussehen kann – von der Schmetterlingspädagogik in Wutöschingen über hybride Bildungskonzepte aus Schülerperspektive bis zu den Impulsen der Konferenz Bildung Digitalisierung in Berlin.
Viel Freude beim Lesen und noch einen aufbruchsfreudigen Herbst!
Anne und Tanja aus dem beWirken-Team
Inhalt
- beWirken meets Schmetterlingspädagogik
- Neue Podcast-Folge: hybride Bildung aus Schülerperspektive
- Björn Adam: Lehrkräftemangel als Chance
- Konferenz Bildung Digitalisierung: was sonst noch los war
- Feedback statt Noten – Good-Practice Workshop mit der Anne-Frank-Schule Bargteheide
- Zukunftsforum Lernbegleitung: Call for participation
- Lernbegleitung: dein Weg zur neuen Rolle
- Tipps, Fortbildungen & Workshops
Stefan Ruppaner erklärt die Schmetterlingspädagogik. Foto: Kristin van der Meer
beWirken meets Schmetterlingspädagogik: zwei Flügel für euren Wandel
„Unterricht ist aller Übel Anfang“ – mit diesem Satz schockt Stefan Ruppaner gerne sein Publikum. Der ehemalige Schulleiter der Alemannenschule Wutöschingen meint das ernst. Seine Schule gewann 2019 den Deutschen Schulpreis, obwohl dort kaum noch klassischer Unterricht stattfindet. Stattdessen lernen die Schüler*innen nach der „Schmetterlingspädagogik“ – einem Konzept mit zwei Flügeln: 1. selbstorganisiertes Lernen und 2. Lernen durch Erleben.
Margaret Hallay und Rebecca Rosenlund aus unserem Team besuchten die Schule und erlebten hautnah, was das bedeutet:
- Keine Klassenräume
- Keine Stundenpläne
- Keine Pausenklingel
Die Schüler*innen entscheiden selbst, wann und wo sie was lernen. Trotzdem – oder gerade deshalb – erreichen sie überdurchschnittliche Leistungen in Vergleichsarbeiten.
Der zweitägige Grundlagenkurs Schmetterlingspädagogik vermittelte intensive Einblicke in die Praxis. „Beziehung vor Fachlichkeit“, brachte es der Schweizer Schulentwickler und Alemannenschul-Begleiter Peter Fratton auf den Punkt: Ohne echte Verbindung zu den Schüler*innen können sie ihr Potenzial nicht entfalten. Beziehungen entstehen jedoch nicht ,einfach so‘ – sie benötigen strukturelle Rahmen und eine gemeinsame Haltung im Kollegium.
Ruppaner betonte: Ohne Coaching, ohne Blickkontakt, ohne echtes Zuhören bricht jedes System zusammen. Was im Zentrum stehen muss: nicht die Struktur, nicht die Methode – der Mensch.
Wir freuen uns, euch in Zukunft noch mehr bieten zu können: Denn die Schmetterlingspädagogik ist ab sofort einer von verschiedenen Ansätzen, mit denen wir Schulen unterstützen – durch Prozessbegleitung, Lernbegleiter-Fortbildungen
Podcast Folge mit dem 13jährigen Schüler Jonathan Bork
Neue Podcast-Folge: hybride Bildung aus Schülerperspektive
In der neuen Folge unseres Podcasts „Mutmacher Schule“ spricht Jonathan Bork über sein Konzept der hybriden Bildung – und erklärt, warum Lernen nicht immer im Klassenzimmer stattfinden muss.
Jonathan Bork ist 13 Jahre alt und hat eine klare Vision: Schule muss flexibler werden. In seinem Konzept können Schüler*innen je nach Fach und Lernstand selbst entscheiden, ob sie im Klassenzimmer, zu Hause oder in Study Halls lernen. Ein Drittel bis die Hälfte der Unterrichtszeit bleibt dabei verpflichtend in Präsenz – um Chancengerechtigkeit zu sichern.
„Ich sah den Vorteil hinter diesem eigenständigen Selbstlernen. Und ich dachte mir, das könnte man ja kombinieren“, erklärt Jonathan im Gespräch mit unserer Geschäftsführerin Judith Holle.
Aus dem ursprünglichen Gedankenexperiment entwickelte der hochbegabte Schüler ein Konzept, das er inzwischen mit Bildungspolitiker*innen in NRW, Schleswig-Holstein und Brandenburg diskutiert. Schulen wie die Alemannenschule Wutöschingen arbeiten mit ähnlichen Ansätzen.
In der Podcast-Folge erfährst du, wie Schulen konkret starten können, welche Rolle Selbstlernkompetenz spielt und warum hybride Bildung auch eine Antwort auf Fake News und digitale Desinformation sein kann.
Wir freuen uns über dein Feedback!
Björn Adam auf der Konferenz Bildung Digitalisierung: „Die 800.000-Lehrkräfte-Falle“. Foto: Phil Dera
Fehlalarm Lehrkräftemangel – warum mehr Personal keine Lösung ist
Konferenz Bildung Digitalisierung: was sonst noch los war
„Wir stehen vor einer Revolution all dessen, was Schule und Bildungsarbeit bisher ausgemacht hat“, beschrieb der Soziologe Klaus Hurrelmann auf einem Panel der KonfBD den Transformationsdruck angesichts von Digitalisierung und KI, die Lehrpersonen ihrer (alleinigen) Wissensvermittlungsmacht entheben. „Die Rolle der Lehrkraft verändert sich rapide.“ Ja, genau! Die Frage ist nicht mehr, ob sich Schule grundlegend ändern muss. Sondern wie wir das hinbekommen.
„Our job is to teach the students to drive their own learning“, fasste der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie die Aufgabe von Lehrkräften zusammen. Seine Meta-Studien belegen, dass „maßgeschneidertes Lernen“ funktioniert – wenn Lehrkräfte es wirklich auf den Einzelnen in der Lerngruppe anpassen. Genau das macht Lernbegleitung aus.
Der rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber sprach sich dafür aus, das „Kind in den Mittelpunkt“ zu stellen, statt das Kind fürs System passend zu machen. Er sieht Lehrkräfte als „Agents of change“ und Coaches.
KI kann als individueller Lernpartner funktionieren: Die Lehrerin Kristin van der Meer erzählte von einem Schüler mit ADHS, der ihr strahlend sagte: „Frau van der Meer – ich liebe die KI!“ Die passgenauen Aufgaben verschaffen ihm endlich Erfolgserlebnisse. Ihre These: Mit KI wird Inklusion zu 100 Prozent möglich.
Besonders vielversprechend: das Projekt „CoTransform“ in Heilbronn, wo acht Schulen gemeinsam den Wandel angehen. Solche Regional-Cluster sind auch für uns ein wichtiger Hebel, um Veränderung zu skalieren.
Unser Fazit: Die Revolution läuft an – aber zu langsam. Zu oft wurde von „Unterricht“ gesprochen, wo es um „Lernen“ gehen müsste. Wir rufen die #Mission2035 aus (siehe oben). Let’s speed up!
Mehr Eindrücke von der KonfBD findest du auf LinkedIn und Instagram.
Feedback statt Noten – Good-Practice-Workshop mit der Anne-Frank-Schule Bargteheide
Du kennst das: Noten dominieren alles. Schüler*innen lernen für die Klassenarbeit, nicht fürs Leben. Feedback geht unter. Und die Frage „Müssen wir das für die Arbeit können?“ wird zur Dauerschleife.
Es geht auch anders!
Was nach Zukunftsmusik klingt, ist an der Anne-Frank-Schule Bargteheide bereits Realität. Sie setzt auf dialogische Leistungsbewertung, aussagekräftige Portfolios und Stärken-Seminare. John Hatties Forschung bestätigt es – qualifiziertes Feedback wirkt nachhaltiger als Ziffern. Unter anderem für ihre Portfolio-Arbeit wurde die Schule 2013 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet.
Am 17. November um 16 Uhr kannst du die Anne-Frank-Schule in unserem kostenfreien Good-Practice-Workshop „Dialogbasierte Leistungsbeurteilung“ kennenlernen – und dort direkt deine Fragen an die Praktiker*innen loswerden. Damit auch du anfangen kannst, dich von Noten zu lösen.
Was du mitnimmst:
- Praktische Einblicke in die Gestaltung prozessorientierter Leistungsbeurteilung
- Konkrete Methoden zur Implementation von Portfolioarbeit
- Strategien für wirksames Feedback und Selbsteinschätzung
- Werkzeuge zur Dokumentation überfachlicher Kompetenzen
- Beispiele erfolgreicher Beziehungsarbeit im Schulalltag
- Ideen zur Entwicklung von Lernentwicklungsberichten zu Portfolios
- Einblicke in bewährte Konzepte wie Stärken-Seminare und Sozialtraining
- Praktische Ansätze zur Förderung der Selbstwirksamkeit
Die Anne-Frank-Schule beweist: Leistung sichtbar machen geht auch ohne Noten. Komm in unseren Workshop und erlebe, wie Beziehungsarbeit und prozessorientierte Beurteilung das Lernen beflügeln.
Mach mit beim Zukunftsforum Lernbegleitung 2026 in Berlin
Zukunftsforum Lernbegleitung: Teile deine Ideen!
Vom Unterrichten zum Begleiten – genau diesen Paradigmenwechsel wollen wir am 4. und 5. März 2026 bei unserem ersten Zukunftsforum Lernbegleitung im Impact Hub Berlin nicht nur diskutieren, sondern gemeinsam gestalten.
Du hast Expertise, Erfahrungen oder provokante Thesen zum Rollenwandel von Lehrkräften? Dann reiche jetzt deinen Beitrag ein! Ob Impulsvortrag oder interaktiver Workshop – wir suchen nach den neuesten Erkenntnissen, den mutigsten Ideen und den praktischsten Lösungen für die Transformation der Lehrkräfterolle.
Deadline für den Call for Participation:
31. Oktober 2025
Lernbegleitung: dein Weg zur neuen Rolle
Du willst nicht bis März warten? Dann starte jetzt mit unserer Lernbegleiter Journey. „Fehler sind keine Niederlagen, sondern Lernchancen.“ Dieser Satz zeigt, wie sehr sich die Rolle von Lehrenden verändert – weg vom Bewerten, hin zum Begleiten. Weg von der Kontrolle, hin zum Vertrauen.
Unsere Fortbildung „Lernbegleiter Journey“ bietet dir genau den Raum, den du brauchst, um diesen Wandel zu gestalten. Du wählst, ob du digital, hybrid oder als Selbstlernkurs startest. In acht Modulen entwickelst du dich von der Lehrkraft zur Lernbegleitung, tauschst dich mit Gleichgesinnten aus und sammelst praktische Erfahrungen für deinen Schulalltag.
ächste Starttermine:
- Ab 04.11.2025: Lernbegleiter Journey Niedersachsen (digital & vor Ort)
- Ab 06.11.2025: Lernbegleiter Journey digital
- Ab Frühjahr 2026: Lernbegleiter Journey Köln (digital & vor Ort)
- Ab Frühjahr 2026: Lernbegleiter Journey Nürnberg (digital & vor Ort)
- Jederzeit: Lernbegleiter Journey für euer Kollegium
- Jederzeit: Lernbegleiter Journey Selbstlernkurs – starte, wann du willst und lerne in deinem Tempo
Noch unsicher, was zu dir passt? Alle Infos zu den verschiedenen Formaten und Terminen findest du hier.
Tipps aus dem Team
Veranstaltungs-Tipp: Nacht der Redner Edition Zukunftsschule
Am 10. November 2025 in Hamburg: Micha Pallesche, Monika Stausberg, Björn Lengwenus und Reinhard Kahl zeigen, wie Schule begeistert statt belehrt. Drei Schulleitungen, die Zukunft gestalten, und ein Dokumentarfilmer des Wandels – live erleben, wie Bildung neu gedacht wird.
Tickets sichern
Lese-Tipp: Demokratisierung des Lernens in Schule
Eine Jugendbefragung der Bertelsmann Stiftung zeigt: 63 Prozent der Schüler*innen können selten oder nie mitbestimmen, welche Themen sie im Unterricht bearbeiten. Dabei gilt: Wo Lernende mehr Mitsprache haben, sind ihre Selbstwirksamkeit und ihre demokratischen Kompetenzen ausgeprägter. Die Studie macht deutlich, wie viel Potenzial noch ungenutzt bleibt.
Zur Publikation
Podcast-Tipp: Ferdi Stebner zu selbstreguliertem Lernen
Leistungsdruck, Lehrkräftemangel, Überforderung – und dazwischen Kinder, die funktionieren sollen. Kann selbstreguliertes Lernen helfen, Unterrichtsstoff zu vermitteln und gleichzeitig auf das Leben vorzubereiten? Ferdinand Stebner gibt in dieser WDR 5 Redezeit-Folge Antworten, beleuchtet Für und Wider und erklärt verständlich, welche Rahmenbedingungen es braucht.
Zur Podcast-Folge
Methoden-Tipp: Serious Games im Unterricht
Spielerisch lernen, ernsthaft verstehen: Serious Games machen komplexe Themen wie Diskriminierung, Demokratiebildung oder Fake News greifbar. Die Spieledatenbank des Zentrums für didaktische Computerspielforschung bietet über 100 Spiele mit Altersempfehlungen und Fachzuordnung.
Zur Spieledatenbank
Medien-Tipp: 5 Dokus zur Schule der Zukunft
Füße hoch und Schule der Zukunft ins Wohnzimmer holen: Von der Universitätsschule Dresden ohne Noten und Stundenplan über den Reinhard-Kahl-Klassiker „Treibhäuser der Zukunft“ bis zu „Augenhöhe macht Schule“ – die fünf von uns ausgewählten Dokus zeigen, dass Lernen mit Freude, Neugier und Selbstvertrauen funktioniert. Alle sind kostenfrei streambar.
Zur Doku-Liste
Unsere Infotermine & Workshops
- 12.11.2025: Infotermin „Unser Schulentwicklungsansatz – Angebote & Programme im Überblick“
- 17.11.2025: Good-Practice-Workshop „Dialogbasierte Leistungsbeurteilung“ – mit der Anne-Frank-Schule Bargteheide
- 18.11.2025: Webinar „Eigenverantwortliches Lernen – Methoden und Umsetzungsideen“ (bei Kunstundstunde)
- 18.11.2025: Infotermin „Startchancen-Programm – Schulentwicklung mit beWirken“
- 27.11.2025: Webinar „Lerncoaching“ (bei Kunstundstunde)
Unsere Fortbildungen
- Ab 04.11.2025: Lernbegleiter Journey Niedersachsen (digital & vor Ort)
- Ab 06.11.2025: Lernbegleiter Journey digital
- Ab Frühjahr 2026: Lernbegleiter Journey Köln (digital & vor Ort)
- Ab Frühjahr 2026: Lernbegleiter Journey Nürnberg (digital & vor Ort)
- Nach Absprache: Fortbildungstag „Lerncoaching“
- Nach Absprache: Fortbildungstag „Vom Lehren zur Lernbegleitung“
- Nach Absprache: Weiterbildungsreihe „Lernbegleiter Journey“ für euer Kollegium
- On demand: Lernbegleiter Journey Selbstlernkurs
- On demand: Didaktik im digitalen Wandel (Einführungskurs zum Selbstlernen)