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Sollte Schule ein politikfreier Ort sein?

Was kann und darf politische Bildung in der Schule?

„Man muss aufpassen, was man so für Projekte an der Schule macht. Schule sollte ja eigentlich immer ein politikfreier Raum sein!“ Das äußerte eine Lehrerin im Rahmen eines unserer Schulworkshops, bei denen unsere beWirken-Trainer*innen immer wieder in den Austausch mit Lehrkräften kommen. Schule als politikfreier Raum – geht das überhaupt?

Die Debatte darum ist nicht neu. Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob Schulen als politikfreie Zonen betrachtet werden sollten. Immer wieder ist auch vom „Neutralitätsgebot“ die Rede.

Politische Bildung in Schulen

Während auf der einen Seite nach einem exklusiven Fokus auf Wissensvermittlung und nach Neutralität gerufen wird, argumentiert die andere Seite, dass Bildungseinrichtungen (unvermeidlich) mit politischen Themen konfrontiert sind und dass sie eine wichtige Rolle in der politischen Sozialisation junger Menschen spielen.

„Eines der obersten Ziele schulischer Bildung überhaupt ist es, junge Menschen zu befähigen, sich in der modernen Gesellschaft zu orientieren und politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen und Probleme kompetent zu beurteilen. Dabei sollen sie ermuntert werden, für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Gerechtigkeit, wirtschaftliche Sicherheit und Frieden einzutreten. Diesem übergeordneten Ziel sind grundsätzlich alle Unterrichtsfächer verpflichtet, insbesondere aber die des gesellschaftswissenschaftlichen Bereichs“, so heißt es auf der Webseite der Kultusministerkonferenz (KMK). 

Ob Gemeinschaftskunde, Sozialwissenschaften oder Politik – diese Fächer sind in allen Lehrplänen verankert und tragen zur Demokratiebildung bei. Sie vermitteln ein Verständnis für Gesellschaft, das politische System sowie die Wirtschafts- und Rechtsordnung der Bundesrepublik, um Schüler*innen zu befähigen, aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen und Veränderungen mitzugestalten.

Schulen sind nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern auch Orte der Sozialisation. In der Hinsicht unterscheiden sie sich nicht vom Elternhaus, Sportverein oder dem Freundeskreis. Im Austausch mit Mitschüler*innen und Lehrer*innen nehmen die jungen Menschen verschiedene Meinungen und Werte wahr und bilden in der Interaktion ihren eigenen Kompass.

Zudem erleben Schüler*innen in der Schule Dynamiken wie Ausgrenzung, Mobbing oder Diskriminierung – auch das kann politische Haltungen beeinflussen, ohne dass diese politischen Themen in einem Lehrplan auftreten. Auch deshalb sind Schulen in der Verantwortung, diese Themen anzunehmen und einen Raum für Diskussionen zu schaffen.

Was spricht also für die Abgrenzung der Schule von der Politik?

Ein zentrales Argument dieser Seite ist, dass Bildung neutral sein muss, damit sie ein umfassendes und objektives Lernen gewährleisten kann. Schüler*innen sollen die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen Meinungen entwickeln zu können, ohne von äußeren politischen Einflüssen beeinflusst zu werden. Doch das schließt politische Bildung keineswegs aus! 

Beutelsbacher Konsens: Der Standard der politischen Bildung

Genau an diesem Kritikpunkt setzt ein zentrales Prinzip der politischen Bildung in Deutschland an, der sich auch in der Arbeit von beWirken und dem beWirken lab widerspiegeln: der „Beutelsbacher Konsens“. Dieser Konsens, der 1976 auf einer Konferenz im baden-württembergischen Beutelsbach formuliert wurde, dient als professioneller Standard für alle Menschen, die politische Bildung betreiben und wird dementsprechend sowohl von Bildungsorganisationen wie auch Bildungseinrichtungen als Basis für ihre Arbeit betrachtet. 

Bedeutet in aller Kürze: Schüler*innen dürfen nicht in bestimmte Meinungen gedrängt („überwältigt“) werden, Themen, die in der Gesellschaft umstritten sind, müssen im Unterricht ebenfalls kontrovers dargestellt werden, damit keine einseitige Sichtweise vermittelt wird und Schüler*innen sollen befähigt werden, kritisch zu denken und sich ihre eigene Meinung zu bilden. 

Der Beutelsbacher Konsens setzt die die Leitplanken dafür, wie in der Schule über Politik gesprochen wird. Dabei wird häufig übersehen, dass Lehrkräfte – insbesondere im Beamtenverhältnis – nicht zur politischen Neutralität im Allgemeinen verpflichtet sind, sondern zur Treue gegenüber der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Das bedeutet: Sie dürfen sich gegenüber demokratiefeindlichen Parteien positionieren, solange dies auf Grundlage von Fakten und im Rahmen des Beutelsbacher Konsenses geschieht. 

Schulen als Ort der Teilhabe

Politik in der Schule und sich eigene Meinungen bilden – das geht also zusammen. Darüber hinaus sollten Schulen zum Beispiel durch Schüler*innenvertretungen und weitere Mitgestaltungsmöglichkeiten im Schulalltag ein Ort der Partizipation sein. Junge Menschen können so damit in Kontakt kommen, was es bedeutet, die eigene Stimme zu erheben und gehört zu werden. Das stärkt das Selbstbewusstsein sowie das Bewusstsein für die Bedeutung von Engagement und Mitbestimmung – den Wert von Demokratie.

„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ – von der Planung eines Schulfestes, der Etablierung einer Arbeitsgemeinschaft oder dem Einsatz für einen themenspezifischen Projekttag: Schulen könnten ein idealer Ort der Teilhabe sein, an dem Schüler*innen nicht nur Wissen aufnehmen, sondern die Welt, in der sie leben, aktiv mitgestalten und ihre eigenen Interessen einbringen. Das sind erste positive Berührungspunkte mit Demokratie. Zudem fördert Teilhabe wichtige Kompetenzen, wie das Vertreten eigener Standpunkte, Argumentieren, Teamarbeit oder Organisation. 

„Schule sollte ja eigentlich immer ein politikfreier Raum sein!“ – Schule als Raum sozialen Miteinanders kann gar keine politikfreie Zone sein. Wo Menschen aufeinandertreffen, findet Gesellschaft und damit auch politischer Austausch statt. Was Schule bieten kann und muss, ist ein Rahmen, in dem eine offene Debatte, persönliche Meinungsbildung auf der Basis von Fakten und Argumenten sowie kritisches Denken gefördert wird und die Schüler*innen in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden. 

eine Schülerin platziert einen Klebezettel auf einem Arbeitsplakat um sie herum sitzen andere Schüler*innen

Workshops in a Box

Mission Schul­umfrage

Mit unserer Mission Schulumfrage haben wir einen “Workshop in a Box” entwickelt, mit dem Schüler*innen ganz einfach eine Schulumfrage umsetzen können. Am Ende stehen konkrete Projektideen, die die Schüler*innen an ihrer Schule umsetzen können. 

Selbstwirksamkeit fördern, Teilhabe stärken – und das nachhaltig und auf Augenhöhe mit den Jugendlichen.

Mit unseren kreativen Beteiligungsformaten bringen wir politische Bildung und Partizipation direkt in Schulen und andere Bildungseinrichtungen. Unsere interaktiven Workshops und Tools, wie die „Mission Schulumfrage“ oder die Umfrage-App askit, stärken das kritische Denken und fördern aktive Mitgestaltung. Schüler*innen lernen nicht nur, wie sie sich Gehör verschaffen, sondern auch, wie sie ihre Meinungen in einer demokratischen Gesellschaft einbringen können.

Neugierig?
Erfahre mehr über unsere Angebote und wie wir auch an deiner Schule Schüler*innenpartizipation fördern oder kontaktiere uns direkt unter lab@alt.bewirken.org.

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